Brauchen oder wollen?

Zeit zum Nachdenken auf unserem Nähblog

Wir haben auf unserem Nähblog gerade den zweiten shoppingfreien Monat hinter uns. Da es in diesem Monat doch daran ging, das ein oder andere Kleidungsstück zu ergänzen und nicht einfach nur aus Spaß an der Freude oder mit Blick auf die kalte Jahreszeit zu nähen, hatten wir auch ein bisschen was zum Nachdenken über das Brauchen oder Wollen.

Meine Lieblingsjeans hat plötzlich den Geist aufgegeben und das Kind ist innerhalb von einem Monat um gefühlte zehn Zentimeter gewachsen, sodass nahezu alle Hosen plötzlich Hochwasser hatten. Noch dazu haben sich die Unterhosen miteinander verschworen und die Gummis gemeinschaftlich ausgeleiert. Also musste jede Menge Kleidung ersetzt werden.

Boxershorts

Demgegenüber stand eine utopische Liste an Nähprojekten, bei denen die Stoffe zwar schon hier waren, es aber immer noch an kleinen Accessoires oder Materialien fehlte. Genau an diesem Punkt merkt man, dass es gar nicht so einfach ist, aus dem Konsumrausch auszusteigen. Auch in der Nähwelt gibt es ständig Neues und viele Nähprojekte erfordern zusätzliche Materialien, die man als Hobby-Näher eben nicht mal schnell zu Hause hat. Wenn man Kleidung aber nicht nur zusätzlich näht, sondern damit wirklich den Bedarf decken möchte, stellt man plötzlich fest, wie viel gute Basics wert sind und was man aus wenigen Materialien schnell und einfach zaubern kann. Daher lohnt es sich bei den absoluten IT-Stoffen der Saison oder dem gehypten Schnittmuster auch mal zu fragen: Ich WILL das haben, aber BRAUCHE ich das auch?

Projekte sinnvoll planen

Ich plane Nähprojekte meistens länger im Voraus und kombiniere mittlerweile neue, spannende Projekte mit „altbewährten“. Henriette (auf Instagram unter @henriettevernaeht zu finden) hat neulich die Frage nach dem Wert eines Schnittmusters aufgeworfen und sehr zum Reflektieren über die derzeit üblichen Preise angeregt. Ich selber finde, ein gutes Schnittmuster, das man immer wieder verwenden kann und das man so gut kennt, dass man genau weiß, wo man auch beim ständig wachsenden Kind problemlos ein paar Zentimeter draufschlagen kann, ist Gold wert. Ich mag zwar auch kein „Gold“ für ein Schnittmuster auf den Tisch legen, aber faire Preise sollte man doch zu zahlen bereit sein für ein Schnittmuster, das von einem Experten erstellt wurde und in dem viel Arbeit und Know-how steckt. Natürlich verwende auch ich ab und an kostenfreie Schnittmuster, aber die sind oft so gut, dass ich dafür auch ohne Weiteres bezahlt hätte, wie zum Beispiel für das Schnittmuster für die tolle Softshelljacke für Kinder.

Fakt ist, wer hochwertige Schnittmuster verwendet, muss sich für viele Sachen nicht ständig neue kaufen und rumprobieren. Viele T-Shirt-Schnitte, Hosen und Kleider kann man mit demselben Schnitt durchaus mehrfach im Schrank haben. Bei neuen Schnitten lohnt es sich dagegen für mich immer, sie eine Weile auf die Nähliste zu setzen und abzuwarten, ob die hierfür benötigten Zusatzmaterialien vielleicht auch noch für andere Nähprojekte eingesetzt werden können. Außerdem reflektiere ich bei meinen Projekten mittlerweile erst einmal eine ganze Weile, ob wir das jeweilige Kleidungsstück – sei es für Groß oder Klein – wirklich brauchen oder nicht doch das ein oder andere viel dringender wäre. Daher habe ich nicht nur ein Notizheft, in dem ich meine Nähprojekte zusammen mit dem benötigten Material notiere, sondern auch eine Liste mit dem Kleidungsbedarf meines Lütten.

Wie viel Kleidung brauchen Kinder?

Wie viel und welche Kleidung Kinder brauchen, ist natürlich von Familie zu Familie und von Kind zu Kind unterschiedlich. Wer häufig wäscht und vielleicht sogar einen Trockner besitzt, benötigt zum Beispiel weniger Kleidung als eine Familie, in der die Waschmaschine nur ein- oder zweimal pro Woche angeschmissen werden muss. Ich liste euch hier mal auf, was bei meinem 9-Jährigen die Basisausstattung ist:

  • 10 Shirts (je nach Saison Langarm- oder Kurzarm)
  • 3 Unterhemden (Wir nutzen viele Basic-T-Shirts, die auch als Unterziehshirts dienen und die Unterhemden ergänzen)
  • 3 Jeans
  • 5 Jogginghosen (die werden in Spanien nicht nur zum Sport, sondern auch in der Schule getragen)
  • 10 bis 12 Unterhosen
  • 10 bis 12 Paar Socken
  • 5 dickere Pullover oder Hoodies
  • 3 bis 4 Cardigans oder Sweatshirtjacken
  • 1 Übergangsjacke
  • 1 leichte Winterjacke
  • 1 dicke Winterjacke
  • 2 Paar Handschuhe (1 x dick und 1 x dünn)
  • 3 bis 4 Tücher (die werden bei uns im Winter immer getragen)
  • 4 Schlafanzüge
  • 2 Mützen

Das ist das Minimum, mit dem wir ganz gut zurecht kommen, da ist aber kein Überfluss vorhanden und wenn man für die neue Saison oder die nächste Größe alles selber nähen möchte, stellt man plötzlich fest, dass das doch eine ganze Menge Kleidung ist und wie einfach es wäre, die Kombi-Packungen im Mode-Discounter zu kaufen 😉 Ideal, um den eigenen Konsum beim Kaufen von Kleidung, aber auch beim Nähen zu hinterfragen…

Wie geht ihr mit dem Thema „Brauchen oder Wollen“ um und wie sieht es bei euch mit dem Bedarf an Kleidung aus?

Beim Schreiben habe ich heute übrigens ganz dem Wollen und nicht dem Brauchen freien Lauf gelassen und eine leckere Apfeltasche aus Blätterteig genossen. Ihr habt Lust zum Nachbacken? Dann bekommt ihr von mir natürlich auch das Rezept 😉

Schnelle Apfeltasche aus Blätterteig backen

Apfeltasche aus Blätterteig backen

Ich nehme hierfür fertigen Blätterteig (den mit viel Butter natürlich ;-)).
Während der Hofen bei 220 °C vorheizt, bereite ich zunächst die Apfelmischung vor. Währenddessen bleibt der Blätterteig noch schön kühl im Kühlschrank. Für die Apfelmischung schäle ich einen Apfel und schneide ihn in kleine Stücke. Der Apfel kommt zusammen mit wenig Wasser und etwas braunem Rohrzucker sowie einer Prise Zimt in einen Topf und wird hier ein paar Minuten gedünstet.

Währenddessen rollt ihr den Blätterteig vor euch aus und bestreicht ihn mit Frischkäse. Darauf verteilt ihr die Apfelmischung (ohne die Flüssigkeit) und rollt den Blätterteig grob zu einer Schnecke oder Rolle zusammen. Nun könnt ihr die entstandene Rolle in Stücke schneiden und bei 200 bis 220 °C etwa 15 bis 20 Minuten backen. Nehmt die Apfeltaschen einfach raus, wenn sie die gewünschte Bräune erhalten haben.

Guten Appetit!

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